Beim Heurigen in Traiskirchen

Dienstag, 23. Februar 2016

Russischer Borschtsch - Rezept meiner Tante Anna aus Russland

Was ich sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue ist nicht gerade erbaulich.



Raindrops keep falling on my head

Regen, nichts als Regen und das schon seit Tagen. Wiesen stehen unter Wasser, die Wasserstände von Ruhr und Lippe sind schon kritisch angestiegen. 
Keine Katze will vor die Tür, sie bleiben lieber kuschelig auf dem Sofa liegen.


Uns bekommt hier keiner weg

Dann rief Tante Anna an. Tante Anna ist die Frau meines Onkels Heinrich. Sie kommt ursprünglich aus Russland, hat ein Herz so groß wie Brasilien und kann wunderbar kochen. 
Sie meinte, heute wäre das richtige Wetter um ein gutes, Herz-,Seele und Magen erwärmendes russisches Borschtsch zu kochen.
Borschtsch, dieses essbare, herrlich schmeckende russische Kulturgut. Nebenbei bemerkte Tante Anna, dass russischer Borschtsch schon ein Anti-Aging Mittel war, als dieses Wort hierzulande noch nicht erfunden war. Diese Suppe ist lecker, kalorienarm und supergesund.
Habt Ihr Lust auf Borschtsch?
Los geht´s!

Hier die Zutaten für 10 Portionen


Kartoffeln - in Würfel schneiden
Rote Beete - reiben
Möhren - reiben
Zwiebeln - in Würfel schneiden
Tomaten - in Würfel
Paprika - in Streifen
Knoblauch - 4 Zehen pellen aber ganz lassen
1/2 Zitrone - Saft der Zitrone
3 Lorbeerblätter
1 kleiner Weißkohl - Strunk entfernen und Kohl in dünne Streifen schneiden
2 Beinscheiben vom Rind (Vegetarier können Borschtsch auch ohne Fleisch zubereiten)
4 Liter Brühe - Rind- oder Gemüsebrühe
Sonnenblumenöl
3 Esslöffel Tomatenmark
Grobes Meersalz
Schwarzer Pfeffer
1 Töpfchen Sauerrahm oder Creme fraiche
1 Bunde Petersilie


Beinscheiben in Sonnenblumenöl von beiden Seiten scharf anbraten


Vegetarier lassen das Fleisch natürlich weg und braten stattdessen die Kartoffeln in dem Öl kurz an.


Alles mit gut 4 Litern Fleisch- oder Gemüsebrühe angießen
Die Fleischesser lassen nun die Brühe mit den Beinscheiben aber ohne die Kartoffeln ca. 1 gute Stunde köcheln , anschließend die gewürfelten Kartoffeln in die Brühe geben.

.
In der Zwischenzeit werden die Zwiebeln angeschwitzt, ein bisschen Farbe dürfen sie schon bekommen


Dann geben wir die geriebenen Möhren und Rote Beete hinzu und lassen das ganze schmoren. Ab und zu wird etwas Brühe aus dem Fleischtopf hinzugefügt.


Die in Streifen geschnittene Paprika und die gewürfelten Tomaten nicht vergessen


Dieser Mischung wird zum Schluss noch ca. 2-3 Esslöffel Tomatenmark hinzugefügt. Alles gut vermischen und...


dann in den Topf mit der Fleischbrühe und den Kartoffeln geben.
Die Beinscheiben kann man vorher herausnehmen.


Nun gibt man die Lorbeerblätter und den in Streifen geschnittenen Weißkohl dazu und lässt alles nochmal eine gute 1/2 Stunde köcheln. Danach schmeckt Ihr das ganze mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft ab, je nach Geschmack.


Serviert wird die Suppe mit einem Klecks Sauerrahm oder Creme fraiche und gehackter Petersilie.
Dazu passt ein herzhaftes Bauernbrot mit Sauerrahm oder Butter bestrichen.
Übrigens schmeckt die Suppe am 2. Tag meist noch besser und nicht vergessen: Borschtsch ist pures Anti-Aging!
Viel Spaß beim Nachkochen und Guten Appetit!
Prijatnogo Appetita!



Als die Suppe fertig war, zog dann auch der Himmel auf.
Das lässt hoffen!





Mittwoch, 27. Januar 2016

Happy birthday liabs Wolferl - 260. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart


Mein lieber Herr Mozart,

heute vor 260 Jahren erblickten Sie in der Getreidegasse 9 in Salzburg das Licht der Welt und hatten wohl von Anfang an, nichts als Musik im Kopf.


Ihre damalige Adresse
Getreidegasse 9

Sie sind und bleiben das Maß aller (musikalischen) Dinge, ohne Ihre Musik wäre mein Leben ärmer.
Im Hintergrund läuft gerade Ihr Klavier Konzert Nr. 24, KV 491


Lang Lang - Mozart Album

Wie hätten Sie Ihren Geburtstag denn heuer gefeiert?
Angefangen hätten Sie vielleicht mit einem Kaffee im "Milanesischen Kaffeehaus" am Kohlmarkt, die Portion zu 3 Kreuzer? Sie hätten dort vielleicht die Wiener Zeitung oder die Triester Weltkorrespondenz gelesen anschließend wäre es zur Kirche gegangen und dann gleich ins Wirtshaus.
Panadlsuppn, Schulterscherzl oder Bruchfleisch hätten Sie bestellt, dazu ein Seidel Bier.


Panadlsuppe


Schulterscherzl

 Im Gasthof "Bei der ungarischen Krone"  in der Himmelpfortgasse waren Sie oft zu Gast.


Café Haus in der Himmelpfortgasse in Wien

Sie saßen im Extrazimmer, wo Sie ihre Ruhe hatten vor der geschäftigen Welt.Später hat auch Franz Schubert diesen Gasthof oft aufgesucht.Essen war Ihnen immer sehr wichtig, das Trinken nicht zu vergessen. Sie aßen, tranken und lebten im Übermaß. Jahre Ihres Lebens verbrachten Sie in holprigen, unbequemen Kutschen auf den Landstraßen Europas. Sie waren nie Kind, immer nur Wunderkind und oft auch kränkelnd. Mal hatten Sie Geld, mal keines. Ein Leben in Ungewissheit ohne Sicherheit. Ihr Genius hatte von Ihnen Besitz ergriffen. Ein Leben auf der Überholspur, ein Getriebener und am Ende haben Sie in knapp 36 Lebensjahren doppelt so viel Leben gestopft.


Als junger Virtuose

Ihre Musik wird alles überdauern.
Wer kennt nicht Ihr Klarinettenkonzert A-Dur KV 622



Spätestens seit "Out of Africa" ist das Adiagio jedem ein Begriff.




Ich habe sogar ein Video gefunden, das meinen lieben Freund und Opernsänger Johan F. Kirsten als Figaro in Mozart´s "Die Hochzeit des Figaro" oder "Le nozze di figaro" zeigt. Leider nur kleine Bruchstücke.



Opernsänger Johan F. Kirsten als Figaro
Theater Würzburg

Sie sehen, lieber Herr Mozart, Sie sind immer noch in aller Ohren, Herzen und in Form der süßen Mozartkugel, in verschiedenen Varianten, in aller Munde.



Salzburger Mozartkugel



Mirabell Mozartkugel



Reber Mozartkugel aus Bad Reichenhall
Mein Favorit, da sie nicht so süß ist

Wie Ihre Musik, zum dahinschmelzen schön.
Servus, leben Sie wohl und schauen Sie gnädig auf uns herunter.

PS: Hier geht´s zum Mozarthaus in Wien
www.mozarthausvienna.at

Dienstag, 26. Januar 2016

Sehnsuchtsorte der Kindheit - Zonguldak

Fast 40 Jahre ist es her, da haben wir auf einem Schiff den Ort verlassen, der uns jahrelang ein Zuhause, für mich als Kind sogar eine zweite Heimat war - Zonguldak an der türkischen Schwarzmeerküste.
Als Ingenieur mit dem Schwerpunkt Bergbau, kam mein Vater Anfang der 1970er Jahre dorthin um neue Steinkohlenreviere zu erschließen. 


Ein herrlicher Ort
Fener B Tipi
Unser Zuhause auf Zeit oberhalb von Deniz Kulübü

Die Türkei wurde zur damaligen Zeit von wenigen Bildungstouristen bereist, die es weniger an die Schwarzmeerküste, als nach Istanbul zog.
Istanbul diese schöne, alte Stadt am Bosporus, eine Stadt auf zwei Erdteilen mit ihren prunkvollen Sehenswürdigkeiten.


Die alten Villen am Bosporus erinnern doch ein bisschen an Venedig



Die 1973 eingeweihte Bogazici Hängebrücke bei deren Einweihung wir dabei waren
Ein bisschen wie die Golden Gate


Die Zufahrt vor  unserem Haus, führte uns entlang


des Weges am alten Leuchtturm


vorbei, in die Stadt.


Wie Vogelnester schmiegen sich die Häuser an den Fels

Das Haus in dem wir wohnten lag direkt oberhalb der Steilküste und hatte einen fantastischen Ausblick. Eine Treppe führte hinab zum Deniz Club, dem Strand, wo ich auch schwimmen lernte.
Am Wochenende kamen viele Familien dorthin um zu schwimmen oder zum picknicken.


Deniz Kulübü


Der Ausblick von unserem Felsen
Ganz hinten Kapuz, wo Freunde von uns, die Familie von Dr. Nihat Güney, ein Haus hatten, mit riesigen, freilaufenden Schildkröten


29.06.1973
Abiturabschlussfeier von Nurgün Güney
und ihren Freundinnen Semra, Nevin und Belgin
Nurgün hat anschließend Kunstgeschichte studiert und ging nach Florenz


Neben mir mein Freund aus türkischen Kindertagen,  Mark Bokarsky aus Chicago
Danach gingen die Bokarsky´s auf die Phillipinen, wir haben nie wieder etwas von Ihnen gehört


Ostern in Zonguldak
Die Eier wurden gefunden
Mark Bokarsky und Gunda Starke, links stehe ich mit meiner Ausbeute


19 Mai
Feiertag der Jugend und Gedenktag für Mustafa Kemal Pasa Atatürk,
dem Gründer der modernen Türkei


Mit meinen Eltern 
30.03.1972


Damals tickten die Uhren noch anders
Zonguldak 1973


Ob heute dort wohl auch noch die Fische verkauft werden?

Viele Bilder sind in meinem Kopf gespeichert. Das bunte Treiben auf dem Markt. Die riesigen , roten Tabletts, auf denen die Fische wie Fächer aufgereiht lagen. Das laute Werben der Händler um die Kundschaft. Sobald man sich entschloss zu kaufen wurde ein Junge losgeschickt um Tee oder Coca-Cola zu holen. Die Teehäuser und Confiserien, wo jeder Kuchen kunstvoll eingepackt wurde. Die hübschen, kleinen Drogerien, die bis unter die Decke gefüllt waren mit allerlei wohlriechenden Dingen.
Lemon Kolonyasi, diesen Duft habe ich in der Nase wenn ich daran denke, also Zitronen Eau de Cologne.
Der kleine Lorbeerhain vor unserem Haus, da roch es so herrlich aromatisch am Morgen bei Sonnenaufgang.
Da war noch der kleine "Tante Emma" Laden auf dem Weg in die Stadt, wo es so exotisch nach allem roch. Schmierseife, Oliven, Schafskäse, frisches Brot und reife Pfirsiche und die hatten Superkaugummi mit Kippbildern in jeder Packung.
Beim Friseur war ich der Star. Alle wollten meine langen, blonden Haare frisieren. 


Da war aber auch die Zypernkrise 1974. Oft saßen wir abends am Radio und hörten den Deutschlandfunk und manchmal kamen sie über uns hinweg geflogen, die Flugzeuge der Luftwaffe und Mama sagte still :" So war das auch im Krieg."
Nach der Ermordung zweier britischer Journalisten, mussten wir eine Zeit lang mit Bodyguards in die Stadt. Der arme Kerl musste dann immer Mutters Einkäufe nach Hause tragen. Angst aber hatte ich nie. Kinder gehen mit so etwas unaufgeregter um, glaube ich.

Neben vielen Katzen gehörten noch zwei Hunde, Black & White und ein Esel zu uns

Und diese vielen, lieben Menschen. Ahmet aus Bursa, unser Hausmeister, der immer mit mir sein Brot und seinen Käse teilte, Hassan, unser "Mädchen für alles" der immer fröhlich und singend durch die Gegend lief und gerne Raki trank. Ganz besonders in Erinnerung blieb die Familie von Dr. Nihat Güney, der in Zonguldak eine HNO.Praxis leitete. Seine Frau Nuran liebte klassische Musik und meine Mutter verbrachte viele, schöne Stunden in ihrem Haus.
Was wohl aus Nurgün, Mithat und Vedat Güney geworden ist?
Die Erinnerungen bleiben im Kopf und sind so lebendig wie eh und je.
Ob ich wohl noch den Weg zum Haus finden würde?
Das Haus in seiner alten Form existiert heute nicht mehr. Es wurde ein neues gebaut und ein Ort geschaffen, wo Menschen sich begegnen und feiern können, das Leben feiern können. Ich hoffe sie alle merken, was für ein besonders schöner Ort das ist.


Donnerstag, 7. Januar 2016

Die Heil´gen Drei Könige und Russische Weihnachten


Heinrich Heine

Die Heil´gen Drei Könige


I re Magi
Franziska Sertori-Kopp

Die Heil´gen Drei Könige aus dem Morgenland,
Sie frugen in jedem Städtchen:
"Wo geht der Weg nach Bethlehem,
Ihr lieben Buben und Mädchen?"

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
Die Könige zogen weiter;
Sie folgtem einem goldenen Stern,
Der leuchtete lieblich und heiter.


Der Stern blieb stehn über Josephs Haus,
Da sind sie hineingegangen;
Das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
Die Heil´gen Drei Könige sangen.

In Russland begeht man den "Heiligen Abend" am 6. Januar, Weihnachten feiert man in Russland heute, am 7.Januar.
In Russland berechnet man die Feiertage nach dem Julianischen Kalender und dann ist Weihnachten 13 Tage später als nach unserem Gregorianischen Kalender, also heute.

Sicherlich wird es in vielen russischen Familien heute den berühmten Salat Olivier geben.


Salat Olivier
Eine russische Spezialität

Ich habe ihn Silvester zubereitet und er schmeckt einfach köstlich. Eine wundervolle Alternative zu Kartoffelsalat.

Das Rezept findet Ihr unter:


Moskau
Basilius-Kathedrale am Roten Platz

Euch allen ein gesundes und gutes Neues Jahr 2016


Donnerstag, 24. Dezember 2015

...und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen

Was ich Euch zu Weihnachten wünsche :


Seit ich denken kann ist dies der Wunsch von Milliarden Menschen auf dieser Welt. Kinder bitten darum beim lieben Christkind, Menschen beten dafür. Was sind wir Menschen doch für armselige Kreaturen. Wir können Herzen verpflanzen und Häuser, die in den Himmel reichen bauen, wir spazieren auf dem Mond herum und bauen Waffen, die alles Leben auslöschen, was wir aber anscheinend nicht schaffen ist Liebe in die Herzen zu säen, Vorurteile abzubauen und globalen Frieden stiften. Schade, zeigt es uns doch wie gering wir sind.

Vielleicht beginnt ja ein jeder mal mit seinem inneren Frieden.

Und dann wäre noch der Wunsch nach Toleranz und Barmherzigkeit. Wir sollen doch die Krönung der Schöpfung sein, dann sollte die Menschheit sich auch so verhalten. Da gibt es noch viel zu tun.

Und bedenkt:

Auch diese 3 waren Flüchtlinge


Haben sie nicht Freude und Licht in unser Leben gebracht


Nach 2000 Jahren hat sich leider nicht viel geändert

Euch allen besinnliche Weihnachten!

Freitag, 18. Dezember 2015

Die letzte Schicht - Zeche Auguste Victoria

1899 wurde die Zeche Auguste Victoria in Marl in Betrieb genommen, heute wird zum letzten Mal angefahren. Benannt wurde sie nach der Gattin Kaiser Wilhelms II, Augusta Victoria.


1905 Männer der Zeche Auguste Victoria


Kaiserin Augusta Victoria

 Damit schließt sich ein Kapitel Bergbaugeschichte im Ruhrgebiet. Fast jede Familie im Ruhrgebiet hatte mit dem Bergbau zu tun. Auch in meiner Familie gab es über Generationen Bergleute, Bergbauingenieure. Mein Urgroßvater war Steiger auf einem Pütt  in Selm und fuhr noch mit Pferd und Wagen zur Zeche.


Mein Urgroßvater, auch ein Bergmann


Meine Urgroßmutter Friederike

Der Bergbau  und die Stahlindustrie an der Ruhr haben diesem Land zu Wohlstand verholfen und eine Landschaft und Menschen geformt, die es so kein zweites Mal gibt. Ruhrpott, dass ist nicht nur eine Region, sondern ein Lebensgefühl und es spielt keine Rolle ob du aus Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Oberhausen oder Bochum kommst, ob du zugewandert, geflüchtet oder einfach immer schon hier warst. Diese offenen, herzlichen Sturköppe, die geradeaus aber niemals überheblich sind, dass sind die Menschen die diese Region prägen.


Fördertürme Auguste Victoria
Kathedralen der Industriekultur


Maschinenhalle

Glück Auf! Ihr Kumpel der letzten Schicht.

Von mehr als 600 Zechen, gibt es jetzt noch 2, deren Tage auch gezählt sind. Das Ruhrgebiet ist heute ein sehr, sehr grüner Landstrich. Das Schmuddelimage haben wir schon lange abgestriffen. Hier und da recken noch einige Fördertürme ihr Stahlkonstrukt wie mahnende Zeigefinger in den Himmel und beim Vorbeifahren denke ich - das ist Heimat!

Ein Junge aus dem Pott


Herbert Grönemeyer


Dortmund
Kulturhauptstadt 2010