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Dienstag, 27. Januar 2015

Gegen das Vergessen - Das hohe Lied der Freundschaft

Heute, am 70 sten Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Sowjetarmee, möchte ich Euch eine kleine "Liebesgeschichte" erzählen.


Leni und Alice waren von Kindesbeinen an Freundinnen. Sie hatten als Kleinkinder den ersten Weltkrieg überlebt, gingen zusammen zur Schule, teilten alle Geheimnisse miteinander, zogen sich manchmal sogar wie Zwillinge an. Das Alices Mutter Jüdin war, das war in den 1920er Jahren überhaupt kein Thema. Die preußische Tugend Toleranz wurde noch gelebt. Mit der Machtergreifung Hitlers sollte sich das aber bei vielen ändern.

Leni und Alice 


Auf einmal sollte alles anders sein. Die Verblendungsmaschinerie setzte sich in Gang und Millionen ließen sich verführen. Ich bin heute noch fassungslos darüber, dass Menschen aus deren Mitte ein Schiller, Goethe, Beethoven entstammt,eine humanistisch geprägte Gesellschaft die schon im 18. Jahrhundert durch Friedrich den Großen "aufgeklärt" wurde, so ein gewissenloses, menschenverachtendes Verhalten toleriert hat. 


Ungeachtet dieser Lebensrealität trafen sich Leni und Alice später heimlich, gaben sich gegenseitig Trost und Halt. Leni konnte den Nazis und dieser platten Deutschtümelei nichts abgewinnen, bei ihr ging die böse Saat nicht auf. Als Alices schwerkranke Mutter ins Arbeitslager, was ihren sicheren Tod bedeutet hätte, gebracht werden sollte, ging Alice für ihre Mutter. Lenis Mann fiel im Krieg, irgendwo in Frankreich, 1944, man hat ihn nie gefunden, er war keine 30 Jahre alt und Leni hat nie wieder geheiratet, und Alice? Dem Himmel sei Dank, haben die Amerikaner das Lager, in dem Tante Alice  war befreit. Die Freundinnen hatten sich wieder, aber mit dem Krieg und der grausamen Nazidiktatur starb auch ihre Jugend, ihre Träume , ihre Hoffnungen. Die Kinder dieser Zeit wurden ihrer Unschuld beraubt.


Wie oft habe ich in Tante Alices Garten als Kind gespielt, mehr als 20 Jahre nach Kriegsende. Diese liebe, warmherzige Frau dessen Garten voller bunter Blumen war, ein Garten durchflutet von Licht, Farben und Liebe zum Leben und zu den Menschen. Wir dürfen und wir werden sie nicht vergessen, die Millionen, die der Nazidiktatur zum Opfer fielen. Solange sich auch nur einer an sie erinnert, sind sie nicht tot.



Tante Alice

Versucht Euch einfach lieb zu haben, es ist doch gar nicht so schwer!

PS: Leni war meine wunderbare, kluge Grossmutter.


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